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Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
HumphreY
07-jan-05
Wochen sind vergangen seit der ersten Nachricht über das verherrende Seebeben in Südostasien. Es ist bereits vieles berichtet worden über die Ursachen der Katastrophen, das Leiden der Menschen und die Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der Weltgemeinschaft. Viele Menschen, wie ich auch, sind überwältigt von der scheinbar unerschöpfliche Bereitschaft zur Solidarität, insbesondere von den Industrieländern. Nichtsdestotrotz, oder gerade geswegen, stechen doch einige Tatsachen dabei hervor, die nicht unbedingt die üblichen positiven Signale mittragen, die sonst nach einer Tragödie von einem solchen Ausmaß üblich sind.

Ich rede von der ungeschriebenen Zweiklassenregeln in den betroffenen Urlaubsländern, deren Maximen scheinbar auch während einer Naturkatastrophe nicht aussetzen. Dabei geht es nicht mal um die Bildern von Touristen, die bereits wenigen Studen nach dem Unglück wieder in Urlaubsalltag übergehen und die gleiche "Lebenshaltung" vom Hotelpersonal erwarten, während noch am gleichen Strand Leichen aus dem Wasser gezogen werden. Nein, es sind eher unscheinige Aktion, wie etwa dass Touristen unter High-Techeinsatz aus der Krisenregion ausgeflogen werden, während die Einheimischen noch auf dem Trümmer seiner Existenz sitzen. Des sind Bilder von verletzten Urlaubern in den Krankenhäusern, die bevorzugt behandelt werden, während so manche einheimische Patienten nicht mal ein Krankenbett bekommen. Und es sind die jüngsten Proteste der europäischen Staaten gegen die Beerdigung von europäischen Opfern in Massengräben in Thailand. Die Logik, dass zur Vermeidung von Seuchengefahr man zu solchen Maßnahmen greifen muss, unabhängig von Nationalität, scheint bei den Industrieländern auf taube Ohren zu stoßen. Ländern wie Schweden verlangen die nachträgliche Exhumierung.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellsch   guter beitrag schlechter beitrag
HumphreY
07-jan-05
In einem Spiegelbericht wurde gesagt, dass die Bundesregierung die Regierung in Bangkok ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass die Identifizierung von Opfern für die Angehörigen in Deutschland von "essenzieller Bedeutung" sei."

Und für die Angehörigen thailändischen Opfern ist das offenbar nicht essentiell, deswegen wurden die Thais auch in Massengräbern beerdigt, so scheinbar die sich aufdrängende Schlußfolgerung.

Es mag ein zynisches Beispiel sein, aber es fällt mir schwer, für einen deutschen Sextourist Mitleid zu empfinden, der wohlgebettet in einem Thailand Krankenhaus versorgt wird, während so manche thailändischen Kinder alles verloren haben.

Es wäre ungerecht und naiv solche Szenarien von Zweiklassenhaltung pauschal zu verurteilen und dabei Gleichbehandlung zu fordern. Dafür sind die Voraussetzungen einfach zu unterschiedlich und die Umständen zu komplex. Doch frage ich mich, ob Ländern wie Thailand und Indunesien von den gleichen Bevorzugungen und Forderungen gebrauchen machen hätten können, hätte die Katastrophe in Europa stattgefunden. Die einfachste Antwort auf diese Frage wäre wohl, dass es so gut wie keine Urlauber aus den beiden Ländern in Europa gibt und somit das Problem gar nicht gibt.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
Godfather
07-jan-05
Tja,

das ist wohl auch ein Beispiel dafür, was für entwickelten Länder existenzielle Probleme sind und was für Entwicklungsländer.

Klar, absolut gesehen verblassen die Opfer die Europäer erbringen müssen, aber dennoch sollte man verstehen, dass die Hinterbliebenen in den Sternenländern doch gerne ihre Liebsten zu Grabe tragen möchten. Das ist ja schließlich ein bedeutender Teil von allen Kulturen. Die US-Armee hat ja schließlich auch schon über 1.000 Leute aus dem Irak in der "Holzklasse der morbiden Art" rausgeflogen und nicht einfach Staub zu Wüstenstaub werden lassen.

Auf der anderen Seite könnte man so eine "Gegenleistung" aber auch erwarten, in anbetracht der hohen Transferleistungen, die sicherlich ohne Hintergedanken kommen. Du wirst ja auch gelesen haben, dass in Thailand die Ausländer mit Chips versehen werden, um die später wieder exhumieren zu können. Die Kosten dafür werden sicherlich minimal sein.

Die hohe Spendenbreitschaft ist aber sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es vergleichsweise viele ausländische Tote gibt. Ansonsten wäre nur schwer zu erklären, warum dafür so extrem viel gespendet wird.

Versteh das bitte nur als eine alternative Sichtweise. Grundsätzlich teile ich mit dir die Einstellung und mir wäre es persönlich egal ob ich mir ein Grab mit vielen Thais teile oder mein Einzelbettgrab in germanischen Gefilden hätte.

Zaijian
Godfather
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
Mitleser
07-jan-05
Wierde mal so ein Kurzschlussbeitrag ohne Hirn.

Natuerlich werden Auslaender ausgeflogen, eben weil es auslaendische Touristen sind. Die Auslaender die in Phuket wohnen bleiben natuerlich da, genau wie die Locals.

Wo das Grab ist waere mir auch egal, es ist aber schon mal gut zu wissen wer drin liegt. Und das ist bei Vermissten nicht die der Fall.

Und warum sollen Touristen nicht wieder baden gehen? Nur 1% von Phuket war betroffen. 99% ist business as usual. Und jeder Thai sagt: Touristen kommt zurueck!!!

Und ist jeder der in Thailand Urlaub macht ein Sextourist? Wie kann man nur so eine schlechte Meinung von den Thais haben. Ich sehe nur viele normale Familien unter den Opfern.

Stuert was zum Aufbau zu und macht in Phuket Urlaub!
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
oOWOo
07-jan-05
Ein paar Anmerkungen:

1.) Du unterstellst dem grossen Teil der Touristen in Thailand Sextouristen zu sein. Keine Ahnung, aber die Leute die ich kenne, die mehrfach im Jahr nach Phuket fahren sind keine. Es gibt sie, die Sextouristen, aber die Mehrheit besteht aus "normalen" Menschen.

2.) Haben es Auslaender in Thailand schwerer als Thailaender, da sie kein Thai sprechen. Aus diesem Grund ist es sicherlich sinnvoll speziell fuer die Auslaender spezielle Teams zu haben.

3.) Is Thailand nur relativ gering betroffen und die Thais sind in der Lage auch ihre eigenen Verwundeten zu pflegen.

4.) Halte ich es fuer relativ couragoes den Urlaub nach solch einer Katastrophe weiter zu fuehren. Man setzt hiermit ein Signal, denn Gebiete wie Phuket leben hauptsaechlich vom Tourismus.

5.) Durch die immensen Summen an Geld die gespendet wurden koennen die Geberlaender auch gewisse, minimale Dinge einfordern.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
shiner
07-jan-05
"Die Logik, dass zur Vermeidung von Seuchengefahr man zu solchen Maßnahmen greifen muss, unabhängig von Nationalität, scheint bei den Industrieländern auf taube Ohren zu stoßen."

Das ist keine Logik. Von Leichen geht weniger Seuchengefahr aus als von den Ueberlebenden. Siehe z.B.:
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/241394.html
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
HumphreY
07-jan-05
Alles, was Ihr als Einwände schreibt, haben auch ihre Berechtigung. Unverkennbar gibt es bei vielen der angesprochenen Punkten Argumente für und gegen. Man kann sicherlich da nicht eindeutig zwischen Fehlverhalten und moralischem Handeln differenzieren. Letztlich werden diese Bilder mit der Zeit schnell verblassen. Wenn überhaupt werden sich die meisten Leuten auf langer Sicht nur an die verherrende Katastrophe zur Weihnachten 2004 erinnern und an die vielen (gesichtslosen) Opfer und die allgemeine Hilfsbereitschaft der Weltgemeinschaft.

@Godfather

"Die hohe Spendenbreitschaft ist aber sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es vergleichsweise viele ausländische Tote gibt. Ansonsten wäre nur schwer zu erklären, warum dafür so extrem viel gespendet wird."

Das sehe ich leider auch so.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
tian ye
07-jan-05
"Die hohe Spendenbreitschaft ist aber sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es vergleichsweise viele ausländische Tote gibt. Ansonsten wäre nur schwer zu erklären, warum dafür so extrem viel gespendet wird."

Das sehe ich nicht so. Das Geld kommt ja nicht den ausländischen Toten zugute, sondern den Überlebenden. Ich glaube für die hohe Spendenbereitschaft gibt es andere Gründe.
- Viele Leute waren dort schon im Urlaub, das schafft eine emotionale Verbindung
- man sieht viele Bilder von der Verwüstung in den Medien, das rückt das Geschehen in den Fokus
- die Spendenkultur hat sich gewandelt. z.b. Hat jeder Fernsehsender eine eigene Spendengala

Zu den anderen Themen: Das Ausfliegen der verletzten Touristen halte ich für legitim. Schließlich ist es nur ein Teil der Hilfsleistungen und keiner sagt "wir holen unsere Landsleute raus und alles andere ist uns egal".
im gegenteil, dafür werden ja Kapazitäten in den Krankenhäuser freigesetzt.

Als Tourist in den betroffenden Gebieten zu bleiben kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verstehen. Da jetzt weiter Urlaub zu machen halte ich nicht für couragiert sondern für ziemlich gefühlskalt. Die können auch einfach ihr Urlaubsgeld spenden und zurückfliegen. Ein Zeichen würde es setzen, wenn die Reiseanbieter in den kommenden Monaten in ihren Angeboten eine "Spende" für den Wiederaufbau einkalkulieren und Kunden sich darauf einlassen.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
schaefer
07-jan-05
@Tianye gefuehlskaelte hin oder her. Thailand haengt vom tourismus ab. Die Situation wird nicht besser wenn die Touristen weg bleiben.

"Ein chinesisches Sprichwort: Gib einem Armen einen Fisch und er wird satt fuer einen Tag, zeig ihm das Angeln und er wird jeden Tag satt."

Was ich damit sagen wollte es bringt nichts den thais zu spenden und ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen.

Ich verstehe deine Problematik nicht weiter dort urlaub machen zu wollen - ist auch eine persoenliche Entscheidung, aber ich habe von vielen ErholungsTouristen gehoert, die einfach ihren Urlaub fortgesetzt haben und zusaetzlich tatkraeftige Hilfe leisten. Ich finde es natuerlich auch schlimm, dass ich das Meer oder den Strand mit Leichen teilen muesste, aber ganz so drastisch ist es nicht in thailand. Ich wuerds einfach als Abenteuer Urlaub sehen und helfen wo ich kann.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
tian ye
07-jan-05
Ich habe nicht gesagt ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen, im Gegenteil, ich habe ja schon geschrieben wie man helfen kann die Lebensgrundlage wieder aufzubauen. Es geht nur um Leute, die in den betroffenen Gebieten ihren Urlaub fortsetzen als wäre nichts passiert. Aber jetzt muss man natürlich unterscheiden, ob es solche Leute gibt oder ob der Urlaubsgedanke in den Hintergrund rückt und man wirklich tatkräftig hilft. Ich bezog mich auf die erste Gruppe.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellsch   guter beitrag schlechter beitrag
HumphreY
08-jan-05
"Das sehe ich nicht so. Das Geld kommt ja nicht den ausländischen Toten zugute, sondern den Überlebenden. Ich glaube für die hohe Spendenbereitschaft gibt es andere Gründe."

Also ich denke doch, dass gerade die hohe Zahl der deutschen Todesopfer die Spendenbereitschaft in Deutschland erheblich beeinflußt hat. Es gab weiß gott letztes Jahr genügend Naturkatastrophen auf der ganzen Welt. Z.B. die Hurricans in der Karibik. Dort waren auch viele Leute schon in Urlaub und es gab auch genug Bilder der Verwüstung davon in Fernsehen, aber trotzdem war die Resonanz nicht zu vergleichen. Viele Leute hier zulande können sich halt (leider) unter "über 1000 deutsche Touristen vermisst" mehr vorstellen als "weit über 150.000 (anonymen) Todesopfer". Sonst hätten wohl die Hungerkatastrophen in Afrika mit Millionen an Todesopfern die Deutschen längst in einen landesweiten Schockzustand versetzt.
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
tk
08-jan-05
Ich finde die Solidarität und Spendenbereitschaft hier in Deutschland ja sehr ermutigend, aber es wirkt alles momentan sehr einseitig. Ein Problem scheint wohl zu sein, dass die Spendengelder unter den entsprechenden Stichworten auch nur für diesen speziellen Zweck eingesetzt werden dürfen. So das im momentanen Spendenwahn (ich habe selbstverständlich auch selber gespendet) die Hilfsorganisationen sich vor Geld für die Flutkatastrophe gar nicht mehr retten können. Welches sicher auch benötigt wird, dass will ich ja gar nicht bestreiten. Nur das an anderen Stellen überhaupt nichts kommt, im Kongo die Leute weiterhin verhungern und die Situation in Darfur sich auch nicht verbessert wird. Sowie sicherlich in vielen anderen Gebieten, welche gar nicht erst bekannt sind.
Viele Hilfsorganisationen bitten inzwischen schon, nicht mehr zweckgebunden zu spenden, so dass auch anderen Krisengebieten geholfen werden kann. Nur in der momentanen Berichtserstattung geht dies anscheinend unter. Jeder Fernsehsender bringt mit tragender Hintergrundmusik die möglichst exklusive Flutkatastrophen-Berichterstattung und jeder kleinste Radiosender bringt noch ZWECKGEBUNDENE Spendenaufrufe. Als Zyniker würde ich fast zu behaupten wagen, dass sich so eine Katastrophe medial klasse vermarkten lässt... (die Werbeblöcke zwischen der Berichterstattung und den Interviews der Katastrophenopfer zählen sicherlich nicht zu den günstigsten...).
Wer auch immer also spenden möchte, bitte NICHT für die Flutopfer sondern ALLGEMEIN an eine der Hilfsorganisationen.

Zu helfen gibt es genug:
http://www.drk.de/weltweit/inhalt.html
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=18742
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,335436,00.html


Gruß,

Thomas
 
 
aw: Die katastrophale Zweiklassengesellschaft   guter beitrag schlechter beitrag
tk
08-jan-05
Nicht alle Spenden sind so selbstlos...

http://www.n24.de/boulevard/nus/?a2005010511010094282
 
 
(thread closed)

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