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36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
Westwolf
29-nov-04
Zu gebrauchen wenn man in China Geschaefte macht? Wie denkt Ihr darueber?


Gruss aus dem Westen

heuuuul, Xibeilang!:-)
 
 
aw: 36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
29-nov-04
Habe gerade was dazu geschrieben. Unterhaltsam zu lesen, aber ich lese auch nicht Schlachtstrategien von Wallenstein, um das Deutschland von heute zu verstehen.

Ich persoenlich halte es daneben vom Ansatz her fuer verfehlt, mich auf meinen Aufenthalt oder meine Geschaefte in China mit dem Studium von "Kriegslisten" einzustimmen.

Zu guter letzt: Kein Strategem bietet Einsichten, die man nicht auch aus westlicher Literatur gewinnen koennte.

Fazit: Nett, aber ueberbewertet. Mehr vielleicht in Baelde.
 
 
aw: 36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
29-nov-04
Meine etwas ausfuehrlichere Meinung befindet sich jetzt in der Kolumne - danke Clemens, fuer die schnelle Umsetzung :-)
 
 
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Westwolf
30-nov-04
@ Frieder Demmer

was du geschrieben hast, kann ich nur bestaetigen. die 36 strategeme sind binsenwahrheiten, es gibt ja noch einiges mehr an strategischen buechern. z. b. sun zi bingfa, wobei ich persoenlich finde, die chin. version ist ein bisschen wie "hong lou meng" sehr schwierig zu lesen und zu verstehen! auch in "hong lou meng" findest du strategien / binsenwahrheiten.

lebst du in china? wen ja wo?

gruss aus xi'an

xibeilang
 
 
aw: 36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
01-dez-04
:-D
Die roten Kammern haben mich persoenlich selbst in Englisch gekillt, da war meine Frau ausdauernder. Die roten Kammern sind fuer mich einer der wirklich klaren Beweise, dass es richtig grundlegende kulturelle Unterschiede gibt, wobei ich nie ein grosser Romanleser war.

Die "sun zi bingfa" habe ich nicht gelesen. Es scheint grundlegender angelegt (7 habits nur zufall ;-) ), was erst einmal spannender klingt, da dies weitere Interpretationsspielraeume bietet.

Mein Grundansatz bleibt aber, dass wir all diese antiken Kriegskuenste nicht brauchen.

Wo ich's sag: Die 7 habits sind ein wirklich brilliantes, aktuelles Buch aus unserem Kulturraum, dass auch in China Gueltigkeit hat (und dort mittlerweile auch sehr verbreitet ist). Und es hat es dabei nicht noetig sich auf "Krieg" als das Basisschema zu beziehen.

Ansonsten: Ich war in Shanghai, lebe mittlerweile wieder in Deutschland - aber bin in der gluecklichen Lage, auch einen staendigen Bueroplatz in China zu haben :-).
 
 
aw: 36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
westwolf
01-dez-04
Nun ganz bin ich nicht einverstanden was du erzaehlst:

die chinessische managementliteratur befasst sich intensiv mit
dieser aus der kriegkunst entstandenen theorie. anders als wir
westler bisher nur mit den eigenen kulturkreis beschaeftigen,
interessieren sich die chinesen auch fuer amerikanische und europaeische
managementliteratur.

wirf mal einen blick in die chin. zeitschrift "Xiaoshou Shichang"

Mao Ze Tung, Cao Cao, Qin Shi Huangdi, Wu Ze Tian, Qian Long, Song Wu Kong usw... alles geniale strategen. Mao ze tong verehrte einen Kaisern in all diesen Dynastien. Es war Qin Shi Huang! Nicht nur weil er china und die sprache geeinigt hat. nein Qin Shi Huang war ein genialer stratege, nur einfach ein bisschen zu skrupellos und blutruenstig!
muss man ein rad auch neu erfinden??? die form des rades hat sich doch bis heute jahrtausendlang bewaehrt?! oder?

frage an dich: wieso ist kentucky fried chicken erfolgreicher als mc donalds! man findet in den hinterstenwinkeln wie yan an ( dass yan an......wanni nan, wenhua geming, zaoyuan! ) einen KFC
"Dan Shi mei you "oder wie die shanbeinesen sagen Moa Le MaiDangLao?"



Greetings urumqi

Xibeilang
 
 
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Frieder Demmer
01-dez-04
Fein, so bringt das Freude: Zwei Schluesselsaetze aus meiner Sicht:

"anders als wir westler bisher nur mit den eigenen kulturkreis beschaeftigen".

Richtig, ich habe auch deutlich gesagt, dass ich die Lektuere fuer anregend halte. Nur halte ich sie auch weiterhin nicht fuer den Schluessel aktuellen chinesischen Erfolges oder Erfolges in China ueberhaupt.

Die ganze Welt will, dass China erfolgreich ist, es gibt gewaltige Entwicklungspotentiale, die Chinesen koennen innerhalb dieser Potentiale ob der der WTO-Schonfrist weiterhin ein geruettelt Mass an Protektionismus walten lassen, der nicht zuletzt ueber eine unterschiedlich konsequenten Durchsetzung von Gesetztesvorschriften abgewickelt wird.

Bei sehr, sehr vielen Verhandlungen sitzen sie Chinesen damit aktuell einfach am laengeren Hebel. Es ist unfair so zu tun, als muesste man nur eine bestimmte Denkrichtung annehmen, und schon wuerde das viel einfacher.

Woran viele in China scheitern, ist der Druck, den sie haben oder gemacht bekommen, schnell und erfolgreich abschliessen zu muessen - das ist wie auf dem Fakemarkt: Sobald der Haendler merkt, Du willst den Artikel wirklich, hast Du verloren. Wie gesagt, das lerne ich notfalls auch auf dem Fakemarkt oder JEDEM asiatischen Bazar.

KFC hat als auf Huehnerprodukte spezialisierter Anbieter in ganz Asien grundsaetzlich einen besseren Stand gegenueber McDonalds als im Westen. Wenn wirklich die Strategeme so entscheiden waeren, muesste dieser Vorteil auch im Westen deutlicher wirken.

"nein Qin Shi Huang war ein genialer stratege, nur einfach ein bisschen zu skrupellos und blutruenstig!
muss man ein rad auch neu erfinden???

Nein, skrupellose Blutruenstigkeit muessen wir nicht neu erfinden :-)

Wie gesagt. Man kann sich gerne anregen lassen. Ich sage nur, dass entspannte (nicht naive!) Offenheit und Aufmerksamkeit, MINDESTENS so wichtig sind, wie "Listenreichtum".
 
 
aw: 36 strategeme   guter beitrag schlechter beitrag
Westwolf
02-dez-04
@Mit dem laengeren hebel,

da bist du falsch ich habe im Jahr 1997 - 2000 dreimal gegen einflussreiche, wohlhabende chinesen vor gericht gewonnen. Man muss hald die richtigen leute kennen! :-)

@ andere denkrichtung,

andere laender, andere sitten! oder kann ich mit einer chinessischen denkensweise in deutschland erflogreich geschaefte machen? "flache steine kann das wasser nicht greifen" :-)

@ Fakemarket

nun ich bin nicht der typ fuer den fakemarket. willst du eine wichtige verhandlung mit chinesen einem einkauf beim fakemarket gleichsetzen?. wenn du mit so einer einstellung an eine verhandlung gehst hast du vorher schon verlohren.

@ KFC

wer zuerst kommt mahlt zuerst. warst aber schon lange nicht mehr im KFC. nur huhn das war einmal, KFC hat sich mit sunzi's strategien beschaeftigt nicht mit 36 Stra.... Ach ja KFC ist in zwischen auch im coffeeshop business erfolgreich aktiv. unteranderem sprechen wir ja nicht von KFC. sondern von der Yums Groupe (in China) ?! oder? Pizzaheat, KFC, Yums usw..

@ Rad

Ich weiss mein deutsch ist nicht das beste "Asche auf mein Haupt"

@ Wie gesagt....

Ja stimmt.

Gruss

Xibeilang
 
 
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Frieder Demmer
02-dez-04
"@Mit dem laengeren hebel,

... . Man muss hald die richtigen leute kennen! :-)"

eben... - was direkt zurueck fuehrt zum Abschluss meiner Kolumne.

@andere Denkweisen:

Es geht um Strategien, nicht um Sitten. Ein gutes Strategiegeruest muss in in unterschiedlichsten kulturellen Umfeldern funktionieren. Abgesehen davon tun das die 36 Strategeme oder auch Sun Zi's Strategiegrundsaetze sogar (soweit ich dass nach ersten Zusammenfassungen sagen kann). Ich zweifle nicht an der grundsaetzlichen Anwendbarkeit. Ich sage nur: Sie tun das nicht besser, als andere, uns vertrautere Strategieansaetze.

@Rad:

Ging gar nicht um Dein Deutsch, es geht mir darum, vor welchem Hintergrund Theorien stehen. Du hast das unfreiwillig schoen verdichtet.

@Fakemarket:
Ja, ich denke tatsaechlich, dass man auf den Strassen und Maerkten viel lernen kann, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass die Spiele bei Verhandlungen etwas differenzierter gespielt werden.

Damit sind wir auch bei dem Punkt, dass ich persoenlich den "Krieg" durch "Spiel" ersetzen wuerde. Damit kommen wir zur Spieltheorie als sehr maechtigem strategischem Denkansatz - nur wirklich uebel abstrakt.

Ich kann die Spieltheorie aber bis zum vorderasiatischen Talmundscharfsinn zurueckfuehren, und wenn ich den dann wieder in die Gegenwart leite, lande ich beim juedischen Witz. Auch der ist bilderreich, scharfsinnig, "listenreich" - aber hat als Entstehungshintergrund nicht zuletzt gerade das abgeschnitten sein von militaerischen Machtinstrumenten, das angewiesen sein auf Handelsmacht - darum geht es ja wohl den meisten, die jetzt die Strategeme lesen. Aber " chinesische Strategeme" klingt halt schicker als "juedischer Witz"... .

Wie gesagt, die Lektuere der Strategeme ist bereichernd. Es geht nur darum dabei im Blick zu behalten, dass wir nicht im Krieg sind. Im Krieg geht es um Sieg um jeden Preis, im Geschaeft (hoffentlich) um Wertschoepfung! Es geht um den Denkansatz.
 
 
(thread closed)

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