BEIJING
Third Culture Kids (5): Elternperspektive
Von Ann Wöste
Übersicht

Waren viele Frauen in Deutschland noch berufstätig, konzentriert sich im Ausland nun ihre Energie auf ihre Kinder. Sie wollen ihre Mutterrolle nun besonders gut ausfüllen. Das ist zwar einerseits hilfreich, weil der Nachwuchs vor allem in der schwierigen Phase des Übergangs viel Einfühlungsvermögen und Unterstützung benötigt, aber es kann auch Probleme mit der eigenen Identität schaffen. Es entsteht ein immenser innerer Druck, vor allem, wenn der Anspruch besteht, Oma und Opa und oft auch den lange und hart arbeitenden Vater gleich mit ersetzen zu wollen. Viele Familienväter verbringen viel Zeit auf Dienstreisen und fallen deshalb als Unterstützung für die Partnerin häufig aus. Außerdem sind sie in der Anfangszeit in ihrem neuen Job ebenfalls einem großen Druck ausgesetzt, sich schnell einarbeiten zu müssen und Kollegen und ausländische Partner bei langen Abendessen besser kennenzulernen.

Aber wer Kinder hat, weiß, dass sie einem die zusätzlichen Anstrengungen nicht immer danken und nicht immer so „funktionieren“, wie wir es uns wünschen. Die Krux an Expat-Communities ist oft ein sehr enges Miteinander. Das ist schön, wenn man sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam Aktivitäten für die Kinder anbietet, aber weniger schön, wenn sich die kleinen privaten Dramen vor den Augen Aller abspielen. Da können sich schon mal Gedanken einschleichen, als Mutter alles falsch zu machen, was besonders bitter ist, wenn die eigene Identität gerade sehr auf die Mutterrolle reduziert ist. Probleme erscheinen plötzlich viel größer als sie sind, da sich gefühlt alles darum dreht.

Nutzen Sie daher auch die positive Seite der Gemeinschaft unter den anderen Müttern und klagen Sie sich bei einer Tasse Kaffee gegenseitig Ihr Leid. Niemand wird Sie besser verstehen, als eine andere Mutter in der gleichen Situation. Es ist erstaunlich wie viele „ja, mir ging es damals ganz genauso“ man dann plötzlich zu hören bekommt, und das erleichtert ungemein. Bauen sie sich langsam Ihr „Support-System“ wieder auf. Wenn es in der Schule nicht rund läuft und es zu Hause Spannungen gibt, tauschen Sie Kinder bei der täglichen Hausaufgabenbetreuung, oder bitten Sie eine Nachbarin ohne Kinder oder mit bereits erwachsenen Kindern, Sie bei der Vorbereitung für einen Test oder Vokabelabfragen zu entlasten.

Bieten Sie eine Nachmittagsaktivität für jüngere Kinder an, wie beispielsweise eine Krabbelgruppe, Flötenunterricht oder Basteln, je nachdem wo Ihre Fähigkeiten und Interessen liegen, und geben Sie dafür an ein oder zwei Nachmittagen Ihr Kind zum Kinderturnen oder Chor in die Obhut einer anderen engagierten Mutter. Seien Sie kreativ. Es gibt jede Menge Raum für gute Ideen innerhalb einer Expatgemeinschaft.


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