BEIJING
Third Culture Kids (3): "Wo kommst du her?"
Von Ann Wöste
Übersicht

Allerdings geht es für viele Familien nicht direkt wieder zurück in die Heimat, sondern sie wechseln vor der Rückkehr noch einige Male den Standort. Jeder Standortwechsel beinhaltet auch einen im letzten Artikel ausführlich beschriebenen emotional stressigen Übergangs- und Neuanpassungsprozess. Viele TCK sind Meister im sich Anpassen. Aus der jahrelangen Erfahrung, erst einmal zu beobachten, um dann möglichst wenig anzuecken, scheint es ihnen augenscheinlich leicht zu fallen, sich zu integrieren. Allerdings wird so oft ein Großteil ihrer Persönlichkeit verleugnet, eben all dass, was sie anders sein lässt. Immer eine Rolle spielen zu müssen, das Gefühl, nicht man selbst sein zu können, ist belastend und auf Dauer ungesund und findet oft ein Ventil in schlechter Laune, die wir Eltern von unseren Kinder nach Schulschluss zu spüren bekommen.

Andere TCK können diese Gefühle besser verstehen, weil sie sie kennen. Als wir nach vielen Jahren in China nach Deutschland zurückgekehrt sind, habe ich gezielt nach einer Schule gesucht, die die TCK-Problematik kennt, und die von vielen Expat-Kindern besucht wird, um meinen Kindern die Möglichkeit zu geben, diesen großen Anteil ihrer Persönlichkeit selbstverständlich zeigen zu können.

Wie wenige Berührungspunkte unser Leben mit der Alltagswelt deutscher Grundschulkinder hatte, wurde mir bewusst, als wir gemeinsam an einem Chorprojekt teilnahmen und mit den Worten vorgestellt wurden, das wir in China gelebt hätten. Mein Sohn wurde gleich mehrfach gefragt, warum er denn nicht chinesisch aussähe, und als mir dann auch noch eine Jugendliche das Kompliment machte, dass ich aber gut Deutsch spräche, war ich sprachlos.

Mir selbst war es immer wichtig, ein Haus und damit eine Homebase zu haben. Ich wollte, dass meine Kinder zu Hause mit einem festen Standort verbinden konnten und es klar war, dass, wenn ich sagte, „wir fahren in den Ferien nach Hause“, es eben zu diesem Haus ging. Ich weiß, dass das für Viele nicht passt, da sie so viel Zeit im Ausland verbringen und über Jahre wissen, dass sie in diesem Haus nicht leben werden, dass sie die Mühen, so ein Haus zu pflegen, scheuen. Andere vermieten ihr Eigenheim während der Stationierung und können es deshalb in den Ferien nicht selbst bewohnen. Aber meine Erfahrung ist, dass so ein Haus hilft, auch einen Ort sein zu Hause nennen zu können, und die Reintegration hinterher leichter fällt.

Aber nicht nur die schwierige Beziehung zu dem Begriff Heimat ist eine der Schattenseiten des Aufwachsens in mehreren Kulturen, sondern auch die vielen Standortwechsel. Nicht nur die eigene Familie verändert sich räumlich, sondern in der ganzen Expat-Community herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Wenn wir im Sommer von unserem Homeleave zurück nach Changchun kamen, hatte sich ein Drittel der Bewohner unseres Compounds verändert und musste neu integriert werden. Auch das bedeutet Unruhe und den Verlust liebgewonnener Menschen.


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