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Roman: Die Rebellin von Shanghai (8)
Von Tereza Vanek
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Zudem hatte das Geld noch für das kleine Haus der Huntingdons gereicht und eben jenen Kontor oberhalb eines Warenlagers, das gleichzeitig eine Art Laden war. Die sehr typisch chinesischen Güter wie Seide oder Tee wurden von Dewei, manchmal auch Jinzi und ein paar Mittelsmännern, bei Reisen ins Innere des Landes erworben und hier wieder verkauft. Die Kundschaft bestand hauptsächlich aus den Besitzern großer Handelshäuser, die sie dann nach Europa oder Amerika verschifften. Es war vor allem Deweis Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass diese Geschäfte genug Gewinn abwarfen, um zwei Familien am Leben zu halten, die der Huntingdons und auch seine eigene. Er hatte eine eurasische Frau namens Daisy geheiratet, die manchmal mit ihren zwei Kindern vorbeikam, alles stille, freundliche Wesen. Elsa hatte sich selten an einem Arbeitsplatz so wohlgefühlt, auch wenn ihr Gehalt nicht reichte, um sich den Traum von einer eigenen Bleibe zu erfüllen.

Nun begann sie, die Summen von Einnahmen und Ausgaben zu berechnen, während Dewei im Hintergrund eine Lieferung von Porzellangeschirr inspizierte, die ein guter Freund ihm zum Kauf anbot.

„Einhundertdreiundzwanzig Dollar Gewinn!“, rief Elsa auf Deutsch und tat einen leichten Sprung vor Freude, fast als flösse das Geld in ihre eigene Tasche.

„Das ist sehr gut“, meinte Dewei und hielt eine zarte Tasse gegen das Tageslicht, das durchs Fenster hereinströmte. Draußen fiel Schnee, blieb aber fast nie auf den Straßen liegen und man hatte Elsa versichert, dass der Winter in Shanghai nur ein kurzes Intermezzo war. Ein bescheidenes Neujahrsfest mit den Huntingdons lag nun drei Wochen zurück, doch der Umstand, dass nun ein neues Jahrhundert begonnen hatte, beschäftigte Elsa nicht besonders, denn in ihrem Leben hatte sich innerhalb kürzester Zeit so viel verändert, dass sie manchmal mit dem Gefühl erwachte, alles nur geträumt zu haben. Sie befand sich in einem Land, das fremder nicht sein konnte, schaffte es aber dennoch irgendwie, ohne größere Katastrophen durch jeden Tag zu kommen. Inzwischen beherrschte sie den Umgang mit Stäbchen recht gut, konnte dank Deweis Unterstützung auf Chinesisch grüßen und danken, ja sie vermochte sogar in der internationalen Siedlung herumzulaufen, ohne sich zu verirren. Zudem wusste sie, dass für Chinesen das neue Jahr erst in ein paar Wochen beginnen würde.

„Und der Erfolg ist auch Ihr Verdienst“, redete Dewei nun weiter, nachdem er die Tasse wieder in Papier gewickelt und in die Kiste gelegt hatte. „Sie haben ein bemerkenswertes Organisationstalent und wissen, wie man mit der Kundschaft umzugehen hat.“

Elsa spürte Wärme auf ihren Wangen. Sie hatte sich ihr Leben lang verbissen angestrengt, aber Lob war sie nicht gewöhnt, am allerwenigsten von einem Mann in höherer Position.


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