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Roman: Die Rebellin von Shanghai (7)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Dicht neben dem Paravent stand General Ronglu, Vizekönig von Zhili, der Gerüchten zufolge der einstige Liebhaber der Kaiserinwitwe war und nun zu den einflussreichsten Männern an ihrem Hof gehörte. Wenrou vollführte mit seinem Schwiegervater den Kotau. Er staunte selbst, wie leicht es ihm fiel, sich vor eben jenen Leuten zu verneigen, die seine einstigen Träume unter ihren Füßen zertreten hatten. Sein amerikanischer Freund Joshua hätte es nicht verstanden, denn er dachte in geraden, zielgerichteten Linien. Wenrou hatte inzwischen gelernt, sich mit dem Unabänderlichen zu arrangieren, hoffte aber immer noch auf eine Hintertür, einen Schleichweg, der es ihm ermöglichen würde, seinen Wünschen ein wenig näher zu kommen.

Einer der Beamten, der ein Stück neben Cixis Paravent stand, verkündete nun, dass es weitere Neuigkeiten über die Yihetuan Yondong, die Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie, gab. Sie ermordeten schon seit längerer Zeit chinesische Christen, hatten jetzt aber auch einen Missionar getötet, einen richtigen Lao Wai. Wenrou hörte unruhiges Stimmengemurmel unter den Versammelten, auch wenn niemand es wagte, unmittelbar und laut die eigene Meinung zu äußern.

„Die fremden Mächte wünschen, dass wir etwas gegen diese Bewegung unternehmen, da sie sich von ihr bedroht fühlen“, fügte Ronglu hinzu. Er hatte seinen Blick direkt auf den Paravent gerichtet, als könne er durch die bemalte Seide hindurchsehen. Wenrou musterte den großen kräftigen Bannermann mit der seidenen Kappe, die ihn als Mandarin auszeichnete. Immer noch stand niemand Cixi so nahe wie er. Es war davon auszugehen, dass seine Entscheidung in dieser Angelegenheit auch die ihre wäre.

„Und was soll es uns kümmern, wenn sie sich bedroht fühlen?“, mischte sich nun der Prinz Duan ins Gespräch. Er war etwas schmächtiger als Ronglu, machte mit seinem langen Spitzbart einen fast gutmütigen Eindruck, doch funkelte in seinen Augen ein beängstigendes Feuer. „Ihre Missionare stören die natürliche Harmonie in unserem Land. Sie entfremden unsere Leute von ihren Traditionen, indem sie die Verehrung der Ahnen verbieten. Wenn sie alle sterben, dann ist es eine Wohltat für China.“

Wenrou verspürte ein unangenehmes Ziehen im Magen, wie immer, wenn mit derartiger Gelassenheit über den Tod von Menschen gesprochen wurde. Ihm fiel wieder ein, wie oft sein Vater ihn deshalb einen Feigling genannt hatte. Wenn er nicht zehn Jahre seines Lebens in Amerika verbracht hätte, wäre es ihm vielleicht leichter gefallen, der Ermordung von Lao Wai nicht mehr Bedeutung beizumessen als dem Schlachten von Hühnern. Aber er war, wie er war. Der Mensch musste lernen, sich selbst anzunehmen, wie ihm ein buddhistischer Mönch einmal erklärt hatte.

„Wenn sie alle sterben, wird unser Land dafür bitter bezahlen müssen“, erwiderte Ronglu sogleich. „Jedes Mal, wenn wir etwas taten, das den Fremden missfiel, wurden wir zur Strafe nur weiter gedemütigt.“


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