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Roman: Die Rebellin von Shanghai (6)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Dieser hochgewachsene Chinese, mit dem das feine Fräulein Virchow sich verbandelt hatte, machte keinen unfreundlichen Eindruck. Seine Tochter war ein verwöhntes Prinzesschen, was angesichts der Umstände aber nicht überraschend war. So fremd sie auch aussah mit ihren schmalen, schrägen Augen und dem pechschwarzen, glatt lackierten Haar,ihr Deutsch hätte das einer Hamburger höheren Tochter sein können. Das musste an der Mutter liegen, die Elsa bisher nicht kennengelernt hatte.

Eine Weile plätscherte sie noch im Wasser, doch als sie merkte, dass es vor dem Fenster zu dämmern begann, griff sie nach dem bereitgestellten Handtuch, um aus der Wanne zu klettern. Vermutlich würde die kleine asiatische Prinzessin bald zurückkommen von ihrer Mädchenplauderstunde, und Elsa musste sich anziehen. In das Handtuch gewickelt inspizierte sie ihren Koffer. Tante Magda hatte ihr freundlicherweise zwei Pantalons, eine zweite Bluse und zudem ein Kleid aus dunkelblauem Leinen eingepackt, in dem sie sich bei möglichen Arbeitgebern vorstellen konnte.

Mehr besaß sie nicht, nicht einmal ihr Englischlehrbuch, das sie nun besonders dringend gebraucht hätte. Aber es musste vorwärtsgehen, beschloss sie. Sobald sie eine Arbeit gefunden hatte, würde sie sich auch ein paar Kleidungsstücke leisten können und vielleicht auch irgendwo Sprachunterricht nehmen. Sie zog die zwar vom langen Liegen im Koffer zerknitterte, aber immerhin saubere Bluse an. Ihr grauer Wollrock hatte ein paar Flecken, die sie aber mit dem Badewasser entfernen konnte. Das Kleid wollte sie sich für wichtigere Anlässe aufheben. Dann kämmte sie das noch feuchte Haar wieder sorgfältig durch. Es begann, sich bereits zu kräuseln, und sie beschloss, es in einen Zopf zu flechten. Schließlich war sie mit der Erscheinung, die der Spiegel in der Zimmerecke ihr bot, zufrieden. Vermutlich hatte sie seit mehreren Wochen nicht mehr so frisch und entspannt ausgesehen.

Sie hörte ein Klopfen hinter sich und rief „Herein!“. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass sie noch niemals in ihrem Leben Gäste in ein Zimmer gebeten hatte wie eine richtige Dame. Sie erwartete den alten Diener, der das Wasser holen käme, doch vor ihr stand Charlotte Huntingdon.

„Ich sehe, Sie haben sich schon etwas frisch machen können. Das freut mich“, meinte sie höflich, als sie eintrat.


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