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Roman: Die Rebellin von Shanghai (4)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Jungen neigten dazu, ihn anzubeten, weil er in seiner Größe und stolzen Haltung ihrem Bild von einem Helden entsprach. Er war ebenso wie die Waisen am Rande der chinesischen Gesellschaft geboren, doch nun hatte er ein eigenes Haus aus Stein und eine europäische Frau, was die Kinder zunächst alle verwirrte. Doch in Shanghai begannen seit geraumer Zeit auch reiche Chinesen, westlichen Lebensstil nachzuahmen. Viktoria war bewusst, dass sie als Jinzis Ehefrau ebenso viel Neid wie Empörung auslöste.

„Ich gehe morgen hin“, versprach er. „Ich werde sehen, welche Fähigkeiten sie haben.“

Viktoria nickte zufrieden. Er brachte den Kindern, hauptsächlich den Jungen, akrobatische Kunststücke bei. Erwiesen sie sich als begabt, so war das für sie eine mögliche Einnahmequelle, wenn sie das Waisenhaus eines Tages verlassen mussten. Sie konnte ihre Schützlinge nicht ewig bei sich behalten, und draußen wartete eine erbarmungslose Welt auf sie, in der sie sich irgendwie über Wasser halten mussten.

„Und was“, fuhr er unwirsch fort, „willst du wegen Charlotte unternehmen? Willst du die Augen fest geschlossen halten, während sie in ihr Unglück rennt?“

Viktoria senkte den Blick. Charlotte als kleines Kind zu versorgen, war recht einfach gewesen, sobald sie zu Kräften gekommen war. Doch nun, da sie sich in eine erwachsene Frau zu verwandeln begann, verkomplizierte die Lage sich zunehmend. Was sollte aus einem chinesischen Mädchen werden, das sich erwartungsgemäß an dem Vorbild seiner europäischen Mutter orientierte? Viktoria hatte aus eben diesen Erwägungen niemals beabsichtigt, ein weiteres chinesisches Kind zu adoptieren. Dewei war für sie eine Mischung aus kleiner Bruder und Sohn gewesen. All die anderen Waisen hatte sie gleich behandeln wollen, ohne sich ihre eigenen Favoriten herauszupicken. Aber dann hatte eines Tages dieses ausgezehrte, winzige Bündel Mensch vor der Tür gelegen, hatte den überwältigenden Wunsch in ihr geweckt, es an sich zu drücken und so lange festzuhalten, bis der Tod es aus seinen Klauen entließ.

„Ich werde mit ihr reden und sie warnen“, versprach sie Jinzi, um gleich darauf hinzuzufügen: „Im Übrigen fand ich diesen Engländer nicht wirklich unsympathisch.“

„Nun, ich kann das nicht beurteilen“, erwiderte Jinzi und zündete sich eine Zigarette an, „denn mir hat sie ihn bisher nicht vorgestellt.“

Viktoria biss sich auf die Lippen.

„Du bist oft unterwegs, besprichst dich mit Dewei, triffst deine Freunde vom Theater und bestehst sogar darauf, selbst manchmal aufzutreten“, sagte sie ausweichend. Aber sie wusste sehr genau, worauf er anspielte, ja teilte sogar seinen Verdacht. Charlotte hatte Angst, ihrem britischen Gentleman einen Vater vorzustellen, der derart chinesisch aussah wie Jinzi. Sie selbst war vorzeigbarer gewesen, das hatte sie am Gesicht ihrer Tochter deutlich ablesen können, als dieser David Stuart zum ersten Mal vor ihrer Haustür gestanden hatte.


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