BEIJING
Peking
Pekings
Merkel
Schweiz
Angela
Fashion
Staat
Mutprobe
kooperieren?
Staates
Geheimdienstmitarbeitern
Europa
Media
Mitgliedern
Doch
Beijing
Pressespiegel
28°C
Wetter
 
Heggebusch380
 
MattMatt377
 
AKPudong374
 
Mojomax372
 
Redbaron21366
 
juenter1900366
captainpike365
Bob1860362
FUM354
kicker353
1. Bundesliga
Tippspiel Top-10
Treffen
Roman: Die Rebellin von Shanghai (3)
Von Tereza Vanek
Übersicht

„Junger Herr, Euer Vater wünscht Euch zu sehen!“, vernahm er plötzlich die Stimme seines persönlichen Dieners. Er stand wortlos auf. Vermutlich würde das Gespräch unerfreulich verlaufen, doch war er daran gewöhnt und wusste, dass ein unnötiges Hinauszögern die Lage nur verschlimmern würde.

Der Hof war bereits von einer Schicht aus Schnee bedeckt, der dieses Jahr früh gefallen war. An den Rändern des künstlich angelegten Teiches begann eine Eisschicht zu wachsen, die ihn bald ganz versiegeln würde. Diese Kälte drohte das Elend in Shandong noch zu vergrößern. Sobald der ganze Schnee wieder schmolz, würden die Felder überschwemmt werden. Die Dämme des Flusses Huang He waren fast so uralt wie das chinesische Kaiserreich und stürzten ständig ein. Wenn sich endlich jemand aufraffen würde, sie zu verstärken, ließe sich das größte Unglück verhindern. Er wusste, dass niemand es tun würde, doch wurde ihm in diesem Moment klar, wie sehr er selbst sich nach einer solchen Aufgabe verzehrte, um endlich aus seiner langen Trägheit aufzuwachen.

Sein Vater erwartete ihn in einem großen Raum, wo für gewöhnlich Gäste empfangen wurden. Er thronte in seinem prächtig verzierten Stuhl und schlürfte Tee. Sein Gesicht hob sich nur kurz, um seinen zweiten, noch lebenden Sohn zu mustern und ihn dann an seine Seite zu winken. Wenrou nahm auf einem anderen, etwas kleineren Stuhl Platz. Dann erst bemerkte er den Besucher, einen ausgemergelten, aber muskulösen Bauernjungen, um dessen Stirn ein rotes Tuch gewickelt war. Die prächtig leuchtende Farbe passte nicht ganz zum Rest seiner zerlumpten, von Schmutz dunkelbraun gefärbten Kleidung.

Der Junge konnte nicht älter als fünfzehn sein. Obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammen musste, zeigte sein Gesicht einen sehr stolzen, fast trotzigen Ausdruck. Wenrou überraschte es daher nicht, dass er auf jedes Zeichen der Ehrerbietung gegenüber dem alten Mandarin verzichtete. Das Selbstbewusstsein und der Mut des Jungen beeindruckten ihn. Schon lange wünschte er, das chinesische Volk würde endlich aufhören, einfach nur unterwürfig zu sein.

Sein Vater machte eine Handbewegung und ein weiterer Diener erschien. Er trug eine Kiste, in der sich jener amerikanische Revolver befand, den Wenrou vor fast zwanzig Jahren aus Amerika mitgebracht hatte. Er wurde von dem Diener sorgfältig mit einem Tuch abgeputzt. Indessen wandte der alte Mandarin sich an seinen Sohn.

„Ist diese Waffe geladen?“

Wenrou warf einen prüfenden Blick auf die Trommel, obwohl er wusste, dass Joshuas Familie ihm den Revolver mit Munition geschenkt hatte.

„Sie ist geladen. Warum ist das jetzt plötzlich wichtig?“

Sein Vater hielt es nicht für nötig, diese Frage zu beantworten.

„Du hast in Amerika gelernt, diese Waffe zu bedienen?“, wollte er stattdessen wissen.

Wenrou nickte. Die Bedienung war nicht einmal schwer. Sein Vater deutete auf den Bauernburschen, der sich stolz aufrichtete.


<< Vorherg. seite  
Nächste Seite >>  


 
(noch keine kommentare gepostet)
neuer kommentar:

name:

text: